Wirkt Feng Shui überhaupt?
Soll jetzt eine Himmelsrichtung, in die ich beim Arbeiten gucke, wirklich die Ursache für Erfolg oder Nicht-Erfolg sein? Nein, natürlich nicht. Aber sie stellt einen ernstzunehmenden Einfluss dar. Unsere Vorstellung von Ursache und Wirkung ist anders als jene, die im daoistischen, beobachtenden Weltbild des Feng Shui angewendet wird. Was bedeutet das? Nun, erst einmal bedeutet es, dass der gemeine Westler vielleicht einen Knoten im Kopf bekommt, wenn er hört, dass es irgendwie wichtig und von Bedeutung sein soll, in welche Himmelsrichtung hin sein Schreibtisch auf Arbeit ausgerichtet ist. Ich selbst habe die Frage in meiner ersten Ausbildung gestellt. Petra Coll Esposito aus Potsdam, die diese Ausbildung leitete, hatte darauf keine Antwort. Es sei halt so, und man müsse es einfach glauben, denn Meister XY habe es ja auch gesagt. Heute in der Rückschau verstehe ich, dass meine Frage nach der Ursache - wie genau so eine Richtung bitteschön wirken soll - von meinem westlich rationalen Denken geprägt war. Solange mir meine Denkschablone nicht bewusst war, konnte die Anwort nur heißen: „Nein, die Richtung ist nicht die Ursache und somit auch nicht wirksam“. Ich war schwer enttäuscht und verlor das Vertrauen in eine Technik, die mir als willkürlich, unwissenschaftlich und nicht nachvollziehbar erschien. Ich verlor auch das Vertrauen in die Dame, die eine stattliche Summe an Geld von mir für das „authentische Feng Shui“ haben wollte. Also brach ich die Ausbildung ab und nach das Thema erst drei Jahre später wieder in Angriff. Ich musste von einem Zen- und TaiChi Lehrer erst genau diesen Satz hören: „Soll die Himmelsrichtung verantwortlich für den Erfolg sein? Nein, natürlich nicht. Aber sie hat großen Einfluss darauf.“ Hä? Wie jetzt? Nun, es hängt davon ab, was ich unter Ursache verstehe. Ich wollte zwar eine wissenschaftliche Erklärung, aber für grundlegende Annahmen wie der einer Ursache keine Begriffsklärung durchgeführt. Upsie. Ich verstand Ursache als etwas, das stets das gleiche, vorhersagbare Ergebnis produziert. Ich setze Herrn Mayer an einen Schreibtisch in seinem Büro und stelle den Schreibtisch mit der langen Kante im rechten Winkel zu der Richtung, die das „8 Häuser Feng Shui“ (Ba Zhai) für einen Mann seines Jahrgangs als günstig beschreibt. Dann kann Herr Mayer nicht anders, als… ja was eigentlich? Erfolg haben. Was bedeutet das nun wieder? Und für wen?
Der geneigte Leser, der sich bis hierhin für den Artikel interessiert hat (Respekt ;) ) kann vielleicht nachvollziehen - mit meiner Denke wurde es kompliziert. Studien wurden notwendig. Die Aussage „erhöhen sie Ihren Erfolg am Arbeitsplatz mit der für Sie günstigen Richtung“ konnte kaum richtig sein. Denn wie soll dies die mechanische Ursache für „Glück und gute Energie“ sein? Nun, die Ursache lag in meinem Denken und den damit verbundenen Erwartungen. Ähnlich wie „Sie brauchen Magnesium für eine gesunde Hirnfunktion, denn Magnesium ist ein wesentlicher Bestandteil der neuronalen Aktivität“ hatte mir die Aussage zu „mehr Erfolg“ suggeriert, dass ich nur A brauche, damit B ganz sicher einsetzt. Und meine Güte, was habe ich schon alles an Nahrungsergänzungsmitteln geschluckt. Der „gemeine Feng Shui Chinese“ sieht das aber nicht so eng wie ich. Hat die Richtung Einfluss auf einen Menschen? Ja. Ist dies der Einzige? Nein. Lässt sich sinnvoll quantifizieren, wieviel prozentualen Anteil die Richtung an Einfluss hat? Kaum. Lässt sich der Einfluss erfassen oder beschreiben? Kommt darauf an, wen man fragt. Meinem jetzigen Verständis nach, kann man sich das Ganze so vorstellen:
Ein Mensch hat eine Hardware - Körper, Organe etc.. Er läuft mit einer bestimmten Software - Ideen, (An-)Gelerntes, neuronale Verbindungen etc. Schon allein diese beiden Aspekte lassen sich vortrefflich untersuchen und mit allerlei Wassern der Wissenschaft waschen. Bevor einem jedoch aus lauter Detailfülle der Kopf platzt, hat sich „der Daoist“ (der schon vor 2000 Jahren ausreichend modernes Wissen hatte, um sich im Denken zu verlieren) gesagt: „ich fühle ja auch etwas“. Bei uns gilt „ich denke, also bin ich und außerdem habe ich deswegen Recht“. Im Feng Shui kommt zum Tragen, dass ich als Mensch 1. nicht alles wissen kann und 2. mich selbst als Ursache oder Mitverursacher meiner Realität begreife. Ich kann also beobachten und fühlen, wie es mir an einem Ort geht. Mit einer Arbeit. Einem Menschen. Diese Beobachtung, eine Art innere Stimme, kann ich ernst nehmen oder ignorieren. Ich kann sie mich leiten lassen bei den Entscheidungen über Dinge, die in meiner Kontrolle liegen. Dieses folgen der inneren Stimme ist ein grundlegendes Prinzip, das sich in vielen Spirituellen Praktiken wiederfindet. Ich glaube, es ist weniger mystisch in dem Sinne, dass mir ein Gott oder Engel die richtigen Lottozahlen einflüstert. Es scheint aber über tausende Jahre hinweg eine Konstante auf dem Lebensweg eines Menschen zu sein, in bestimmten Phasen zum Beispiel durch eine schwere Krankheit daran erinnert zu werden, dass er entgegen dem Getöse an Gedanken und Erfahrungen in sich eine weitere Ebene beachten sollte, die ihm einen anderen Weg weist. Das muss keine religiöse Vision sein. Allein das Beobachten feiner Empfindungen im Alltag kann zu himmelweiten Unterschieden in einem Leben führen. Wie geht es mir nach dem Essen? Hmm, es ist halt Tradition in der Familie meiner Frau, irgendein Fleisch aus der Tiefkühle mit Soße zu reichen und zu 15 Uhr dann Kaffeetrinken mit Torte und Kuchen. Soll ich da jetzt den Veganer geben? Tja, wer darf das entscheiden?
Feng Shui hat in seiner vergleichsweise langen Geschichte als Sammelbecken für allerlei Techniken gedient. Die Leute haben sich sozusagen über Gott und die Welt ausgetauscht und sich gesagt, wie es Ihnen damit geht. Braten zum Mittag und Kaffeetrinken war nicht in allen der letzten 2000 Jahre Thema im heutigen China. Aber über die Wirkung von Lebensmitteln auf den Körper wurde sich schon im Klassiker „vom Gelben Kaiser“ ca. 400 vor Christus Gedanken gemacht. Ohne die christlich-religiöse Moral, die in Europa versuchte, Lebensumstände zu erklären und Handlungsempfehlungen auszusprechen, war Braten mit Soße nicht gleich „des Teufels“. Erst einmal wurde festgestellt, das gebratenes Fleisch wärmt. Es kann stärken. Ist schon Hitze im Körper, kann es den Körper überlasten. Unglaublich viele Beobachtungen mit Hinblick auf relativ einfache, vor allem aber körperlich wahrnehmbare Varianten wurden gemacht und festgehalten. Das gleiche Prinzip wurde in der Traditionellen Chinesischen Medizin angewandt. So kann ich heute wie Chuan Lin vor 1000 Jahren fühlen, ob Pflaumenwein mich wärmt oder kühlt, ober scharf ist oder süß, ob er mich benebelt oder klarer macht, was direkt beim Trinken passiert, einige Stunden Später, am nächsten Tag und so weiter. Ich weiß natürlich nicht, wie es Ihnen geht - mich indes frustriert dieses ewig lange beobachten, rumfühlen und vorher nicht wissen, was auf mich zukommt. Ich möchte wissen, welches Vitamin ich einschmeißen muss, damit ich durch den Tag komme. Andererseits hat diese meine Ungeduld auch unnötigen Stress zur Folge. Wenn ich nun also Abends eine Stunde auf dem Sofa verbringe, in Ruhe dasitze und vielleicht noch in meine gute Richtung schaue, habe ich für mein Wohlbefinden deutlich mehr gewonnen. Zumal ich am nächsten Tag wahrscheinlich ausgeruhter und freundlicher auf meine Mitmenschen schaue, anstatt Stress zu schieben.
Die Moral dieser kleinen Geschichte soll heißen: ja, Feng Shui wirkt. Nur nicht so, wie ich es erwarte. Dafür befreit mich seine Anwendung, zum Beispiel die einer „guten Himmelsrichtung“, aber auch von dem Erwartungsdruck, das Leben eines Menschen komplett zu heilen. Wird der Magenkrebs von Frau Schulze in einer Woche davon weggehen, dass sie das Kopfteil ihres Bettes nach Südwesten richtet? Nein, das ist zuviel verlangt. Aber kann sie selbst sich über ihr Leben klar werden, wenn sie mit mir über ihr Feng Shui spricht? Absolut. Eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, die Ursachen der Krankheit zu erkennen und zu benennen? Absolut. Ließen sich dann Schritte unternehmen, in denen die individuellen Ursachen angegangen werden können? Aber ja. Hat Frau Schulze erst einmal die Einflüsse in ihrem Leben erkannt, die zur Krankheit führen, denen sie sich Kraft ihrer selbst nicht länger aussetzen muss und ist motiviert, etwas zum Besseren hin zu ändern - dann kann schon allein das Umstellen des Bettes ein ausreichend mächtiger Anker sein. Ein Anker, der sie daran erinnert, dass sie heilen möchte. Und ihr obendrein für sie „gute Energie“ gibt, dank der sie sich vielleicht erst nur fünf Minuten am Morgen besser fühlt. Hoffnungsvoller. Bewusster darüber, was ihr gut tut. Was sie eigentlich möchte. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für Frau Schulze. So wirkt Feng Shui.
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