Wenn man ausbrennt, kann man rechtzeitig gegensteuern. Dabei hilft es, sich selbst zu verstehen. Und was einen antreibt. Ein Feng Shui Berater kann über die energetische Ebene feststellen, warum das innere Feuer einen Menschen verzehrt. Erster Ausgangspunkt für eine effektive Analyse ist dabei das daoistische Konzept von Yin und Yang. Das Yin-Yang Symbol ist weithin bekannt, seine praktische Bedeutung bleibt im Alltag verborgen. Grund dafür ist die dualistische Konzeption des Westens, die ohne "Gut" und "Böse" nicht auskommt. In diesem Artikel erforsche ich die Grundsätze von Yin und Yang und beschreibe einen praktischen Anwendungsfall im Feng Shui. Anhand der Geschichte eines Kunden. Er konnte davon profitieren, sich das unausgeglichene Verhältnis der beiden Kräfte in seinem Leben vor Augen führen zu lassen.
Analyse eines Yin-Yang-Ungleichgewichts: Wie Stressfaktoren im Raum zu chronischer Erschöpfung führen können.
Darf ich zu Beginn erstmal etwas weiter ausholen? Ich möchte Ihnen einen Hintergrund zu Yin und Yang beschreiben, damit Sie den kulturellen Ursprung und die Unterschiede zu unserem westlichen Denken verstehen. Ich glaube, dies ist nötig, damit Sie das Thema nicht direkt als Hokus-Pokus abtun.
Das Yin-Yang Symbol selbst kommt aus der daoistischen Kosmologie und ist dort Teil der Schöpfungsgeschichte. Die Kosmogenese im chinesischen Kulturraum ist vergleichbar mit der des christlichen "Abendlandes". Zum Einen, weil sie eben eine Schöpfungsgeschichte ist und eine Theorie über die Entstehung der Welt liefert. Zum Anderen, weil die Ideen über besagtes Entstehen der Schöpfung sich denen der Bibel ähneln. Im Daoismus handelt kein vermeintlich personifizierter Gott, aber die Arbeitsschritte sind ähnlich.
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst." Johannes I, 1-18
Das Yin-Yang-Symbol ist genaugenommen das "Taiji"-Symbol, siehe Bild unten. Aus einem unsagbaren, unfassbaren Nichts (Wuji), entsteht ein großes Ganzes, bzw. Alles. Licht und Finsternis entstehen, und aus ihrem Zusammenspiel entspringen in ewigem Wandel die "10.000 Dinge" - Taiji. Was mir gerade beim Schreiben auffällt: "das Leben war das Licht der Menschen" erinnert mich stark an das in China weit verbreitete Konzept der Lebenskraft "Qi". So weit auseinander liegen Christen und Daoisten also gar nicht in ihrem Verständnis davon, wie die Dinge sind.
Der für das Feng Shui springende Punkt liegt aber doch in einem wesentlichen Unterschied der Weltanschauungen. Christen stehen sich meiner Meinung nach manchmal selbst im Weg, weil sie einen Gott sehen. Der sprachliche Umgang mit dem "Großen" und vielleicht auch das Predigen von der Kanzel, führen leicht zum Verständnis einer zwar höheren, aber auch stark als Person imaginierten Macht. Und weil wir Menschen nun mal so gestrickt sind und für das Leben mit anderen Menschen gebaut sind, gehe ich "als Christ" den lieben oder sonstwie gelaunten Gott auch wie eine Person an. Er sieht alles. Oh weh. Er herrscht über alles. Dann versuche ich mal, mich bei ihm gut zu stellen und alles richtig zu machen. Menschlich. Moralisch. Ja nichts falsch machen. Es krampft ein wenig.
Der praktische Unterschied im daoistischen Weltbild ist der schiere Pragmatismus, mit dem hunderte Generationen die Welt um sich herum, auch sich selbst, beobachtet haben. Ähnlich wie im Rationalismus der Aufklärung, hat man sich mit Ursache und Wirkung beschäftigt. Mit wiederkehrenden Abläufen. Mit vorhersehbaren Prozessen. Dogmen haben sich zumindest im Daosimus nie lang halten können (damit war eher der Konfuzianismus beschäftigt, der im chinesischen Kulturraum das notwendige moralische Verhalten für große Gesellschaften definierte).
Auf Ebene der Weisheitslehre wurde soviel über die 10.000 Dinge geschrieben, probiert und postuliert, dass mir der Kopf brummt, bei dem Versuch, all das zu verstehen. Gehen Sie nur einmal auf Pinterest und suchen "Yin Yang Cosmology". Bilder von 1001er Theorie, vom Quantenuniversum über jahreszeitliche Positionen der Erde bis hin zu "Synchronizitäten" zwischen Kosmos und Atomen. Bücher vom "Tao der Fülle", "Tao dies, Tao das" gibt es ohne Ende. Freilich kann sich zu dem Thema jeder auslassen, wie er will - und meine Auslassungen sollten dabei nicht fehlen ;) . Ich finde es jedenfalls erwähnenswert, dass auch in der Bibel die Idee der Zweiheit beschrieben wird. Hier essen die Urmenschen vom Baum der Erkenntnis und fortan teilt sich alles in richtig oder falsch, dies oder das. Der Teufel, der Dia-bolo, ist Herr der Dualität. Obwohl ich die letzten 2000 Jahre der europäischen Kulturgeschichte nicht durchgängig anwesend war, scheint mir aus heutiger Perspektive, dass diese Erkenntnis von der Zweiheit der Welt im christlichen Kulturraum drastisch anders verwendet wurde, als in der Region, die heute China ist. Yin und Yang bedingen einander, bringen einander hervor, stehen in Relation zueinander, kämpfen miteinander, und zerteilen sich unendlich oft. Während der christliche Ansatz zum Beispiel in der Medizin sich auf das Beten zu einem Vater-Gott beschränkte, wurde chinesisch selbständiger gedacht und das Grundprinzip von Yin und Yang auf wirklich alle Bereiche des Lebens angewandt.
Das Yin-Yang Grundkonzept ist einfach genial, weil es Millionen von Menschen ein Werkzeug gegeben hat, mit dem sie alles im Leben erforschen und beschreiben konnten, und weil es sich jedem Dogmatismus und Moralismus entzieht.
Wie persönliches Feng Shui Coaching in der Uckermark funktioniert.
Kann man dieses Yin Yang-Zeug auch praktisch anwenden?
Ja, das geht. Das geht sogar sehr gut. Vor allem im Haus oder der Wohnung.
Yin Yang im Feng Shui praktisch anwenden
Wo steht das Bett? Wo steht das Sofa? Ist im Eingangsbereich genug Bewegung möglich? Ist der Rücken geschützt? So lauten die ersten Fragen, mit denen ein Feng Shui-Berater arbeitet. Yin und Yang sind keine festen Größen. Sie beschreiben die Beziehung zwischen zwei gegensätzlichen, doch zusammengehörenden Aspekten ein und derselben Sache. Hier: Raum. Hier kann Bewegung stattfinden, oder Stille. Er kann geschlossen sein, oder offen und leicht zugänglich. Hell oder dunkel. Eng oder weit. Warm oder Kalt. Natürlich besteht das Entweder/ Oder nur im Geist des Betrachters. Kein Raum ist absolut hell, oder absolut dunkel. Die vermeintlichen Gegensätze spielen zusammen und erschaffen im Wandel der Jahreszeiten stets aufs Neue das Leben, das Hier und Jetzt.
Damit lassen sich auch die sehr handfesten Probleme beschreiben, mit denen sich ein Mensch konfrontiert sehen kann. Auch für die effektive Analyse der Ursachen kann ich Yin und Yang als Zugang nutzen. Der Lebensraum des Menschen hat ein bestimmtes Spektrum, innerhalb dessen der Mensch sich bewegen kann. Seine Mitte. Er kann Extreme eine Zeit lang aushalten, doch zahlt er dafür einen Preis. Hier kommt die daoistische Idee zum Tragen, dass der Mensch im Laufe des Lebens seine ihm auf den Lebensweg mitgegebene Energie (Jing) zu bewahren, um gesund alt zu werden. Schon in der "Zeit der streitenden Reiche", als 221 v.Chr. die erste Vereinigung von 16 Kleinstaaten zum Großreich Qin umgesetzt wurde, gab es ein riesiges, vereintes Herrschaftsgebiet - das sich über diverse Klimazonen hinzog. Es gab Berufsstände in Verwaltung, Militär und Medizin, die lokal sehr unterschiedliche Gegebenheiten mit einem einheitlichen System in Einklang bringen mussten. Die Realität von Menschen aus unterschiedlichen Regionen war anders. Sie sprachen nicht nur andere Sprachen. Ihre Umwelt und Lebensweisen waren so unterschiedlich, dass das "Huangdi Neijing", das Grundlagenwerk des Gelben Kaisers zur inneren Medizin aus der damaligen Zeit, sich damit befasst, wie die Einwohner einer bestimmten Region leben. Es wird untersucht, welche Einflüsse die natürliche Umgebung ausübt, was die Menschen essen. Es wird untersucht, wie sie ihre Zeit verbringen und unter welchen Krankheiten sie in ihrer Klimazone leiden. Diese Grundlagenwerk verankerte das Konzept von Yin und Yang in einer ganzen Kulturregion als gemeinsames Gedankengut. Auf dessen Grundlage entstanden dann sehr spezielle Anwendungen auf dem jeweiligen Gebiet - von der Medizin, über das Militär und die Architektur bis hin zur Verwaltung. Allen weiteren Forschungen und praktischen Anwendungen gemein waren die einheitlichen Grundideen, auf denen sie fußten. Und sie waren jedermann zugänglich, auch weil jeder sie intuitiv verstehen kann. Was auch heute noch die "Traditionelle Chinesische Medizin" als Magen-Hitze beschreibt, ist wohl einer breiteren Masse verständlich als die moderne, schulmedizinische Sprache, die von Komplikationen der Refluxösophagitis spricht (Sodbrennen). Und damit zwar eine kleine Schicht hochspezialisierter Personen hervorbringt, die der Masse der Bevölkerung helfen soll, aber mit der enthobenen Fachsprache sowohl einen enormen Anforderungsdruck auf die Experten ausübt, als auch die Möglichkeit zur Eigenverantwortung vom gemeinen Volk fern hält.
Was haben nun die letzten 3000 Jahre Kulturgeschichte Chinas mit meinem Schlafzimmer zu tun, bitteschön?
Ja, Sie haben ja Recht, ich komme zum Punkt.
Yin Yang im Feng Shui bezieht sich auf drei wesentliche Aspekte. Erstens: Wie ist die quantitative Balance an einem bestimmten Punkt?Zweitens: Ist das Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Ort und wie gehen Yin und Yang ineinander über? Drittens: lässt sich mit einer Maßnahme die gewünschte Balance herstellen? Wenn ja, mit welcher? Welche Maßnahme ist die einfachste, welche die effektivste? Und nicht zuletzt: wie nimmt der betroffene Mensch das wahr? Was macht es mit ihm?
Alles klar? Noch nicht ganz, okay.
Nehmen wir als Beispiel ein Schlafzimmer in einem Einfamilienhaus in der Straße zum Frieden in Angermünde, Brandenburg, Deutschland. Oder besser, nehmen wir als Bewohner dieses Hauses einen Kunden an, der über latente Erschöpfung klagt, dem irgendwie die Puste ausgeht. Jemand, der sich nicht so energiegeladen und kraftvoll erlebt, wie er meint, sein zu müssen.
Ich sammle also Informationen, ganz einfach. Zuerst schaue ich mir sein Haus an. Die Umgebung. Den Eingang. Vorn: ein Meter Steinplatten zum Gehweg, davor eine Straße, Tempolimit 50, aber relativ kurz nach Ortseingang, Durchschnittsgeschwindigkeit der Autos liegt eher bei 60, 70kmh. Rechts und links vom zweistöckigen Haus ein Rasenstreifen, links 1,5 m, rechts 2 m breit, dann ein Zaun zu den Nachbargrundstücken. Nach hinten raus ca. 40 Quadratmeter Grünfläche, eine Garage aus gewelltem Mörtel, dem grauen Charme der 1950er. Terrasse ebenerdig nach Westen, Balkon im Dachgeschoss nach Norden. Der Eingang liegt zur Straße hin. Die Tür öffnet nach innen, in einen schmalen, langen, weiß gestrichenen Flur. Licht ist eingeschaltet, ohne dieses wäre es sehr dunkel im Flur, da bei geschlossenen Zimmertüren kein Tageslicht durch die Fenster einfallen kann. Die Lampen strahlen in Tageslichtweiß. Schuhe und Jacken stehen und hängen im Eingangsbereich. Erste Tür rechts, Schlafzimmer. Der Flur liegt auf dem linken Flügel des Grundrisses. Am Ende des Flurs liegt die Küche, die sich über die Terrasse in den Garten öffnet. Ein Bad im Erdgeschoss neben dem Schlafzimmer, Zugang nur über den Flur. Über eine Treppe am Ende des Flurs geht es in das Obergeschoss, wo ein Büro, ein Kinderzimmer, das Wohnzimmer und ein weiteres Bad liegen. Das Kind aus dem Kinderzimmer ist bereits ausgezogen, der Mann arbeitet bei einer Behörde des Landes Berlin, seine Frau in einer Schule. Das weiße Schlafzimmer: eine Wand ist von einem weißen Wandschrank eingenommen, daran zwei Spiegeltüren. Zwei Wände haben ein Fenster. Auf die dritte Wand zum Flur hin zeigt das Fußende des Doppelbetts, und ein Fernseher hängt daran. Das Fenster zur Straße ist mit einem Rollladen geschlossen. Mann und Frau sind sich einig, dass "es mit dem Straßenlärm geht", wenn der Rollladen unten ist. Sie hatten auch schon überlegt, das Schlafzimmer in das jetzige Wohnzimmer im ersten Obergeschoss zu legen. Davon waren sie abgekommen, weil das neue Wohnzimmer dann ziemlich klein wäre.
Vielleicht haben Sie Spaß daran, selbst Feng Shui-Detektiv zu spielen. Nun haben Sie ein Bild vom Tatort bekommen - wenn auch nur aus meiner Beschreibung. Was fällt Ihnen auf? Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn als mögliche Ursache für das Problem der Erschöpfung?
Der Feng Shui-Detektiv sammelt Spuren
Das Offensichtlichste ist vielleicht die Lage die Schlafzimmers zur Straße hin. Selbst wenn im beschaulichen Angermünde Abends und Nachts eher wenige Autos unterwegs sind, könnte der Straßenlärm den Schlaf des Kunden stören, damit seine Erholung beeinträchtigen und so über längere Zeit zu fortschreitender Erschöpfung führen. Gut. Eine These ist aufgestellt. Allerdings sind die Fenster wirklich gut schallisoliert - ich höre kaum etwas von den vorbeifahrenden Autos, wenn ich in Stille im Schlafzimmer stehe. Und hinzu kommt, dass die Dame des Hauses bei gleichem Schlafplatz und vergleichbarem Arbeitspensum keine Erschöpfungssymptomatik zeigt.
Also geht die Suche erst einmal weiter. Ich frage nach, wie ein gewöhnlicher Abend bei den beiden aussieht. Meist kommen beide spätestens 18 Uhr nach hause. Zweimal die Woche geht er noch ins Fitnessstudio, weil er mit Anfang 50 dem altersbedingten Muskelabbau entgegenwirken müsse. Vor allem der Rücken macht ihm sonst Probleme, sicher vom vielen Sitzen auf Arbeit. Wenn das Wetter mitspielt, geht er am Wochenende auch manchmal joggen. So oder so, meist essen sie zusammen zu Abend gegen 19 Uhr oder 20 Uhr. Was machen Sie dann? Wenn einer von beiden nicht noch etwas für die Arbeit vorbereiten muss, lesen Sie ein Buch oder schauen fern. Was sehen Sie? Er schaut gerne einen Tatort oder auch mal Action-Filme auf Amazon Prime, während ihr solche Filme oft "zu laut" sind und Mord und Totschlag muss auch nicht immer sein. Als Kompromiss geht er ins Schlafzimmer und schaut dort fern, während sie im Wohnzimmer bleibt. Dort telefoniert sie manchmal, liest oder guckt selbst fern.
Über die Gewohnheiten eines Menschen lassen sich Rückschlüsse auf die Balance von Yin und Yang ziehen.
Die Erschöpfung, die er beklagt, lässt mich einen Yang-Überschuss vermuten. Im Körper zeigt sich das u.a. mit einer Tendenz zum Gereizt Sein, Schwäche im unteren Rücken und einem Bedarf nach Erholung, der gefühlt nicht gedeckt werden kann. Könnte es am Alter des Mannes liegen? Mit Anfang 50 ist man auch nicht mehr ganz frisch. Mal sehen, zuerst noch einmal zurück zu den Gewohnheiten. Hier schaue ich auf die beiden Aspekte, die ich zu Beginn der Analyse genannt habe. Zum Einen: wie ist die quantitative Verteilung zwischen Yin und Yang Aspekten in seinem Alltag? Zweitens: Ist die hier fehlende Yin-Qualität zur richtigen Zeit, am richtigen Ort?
Rein von den Mengenanteilen her ist die Waage zum Yang hin gekippt. Sein Arbeitsweg ist mit 30 Minuten Hinweg zwar überschaubar, wird aber jeden Wochentag mit dem Auto zurückgelegt. Bewegung ist mehr Yang als das Verweilen an einem Ort. Ein weiterer Weg mit höherer Geschwindigkeit wie zum Beispiel auf der Autobahn ist mehr Yang als ein Fußweg zur Arbeit. Kraftsport und Joggen sind mehr Yang als ein Spaziergang oder Tai Chi. Fernsehen an sich ist eine gewisse Action, bewegte Bilder sind mehr Yang als das stille Sitzen im Sessel.
Ist die Yin-Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um eine Balance herzustellen? Als Zeitqualität sind die Abenddämmerung und die dunklen Stunden (sowie die Nacht an sich) das Yin des Tages. Hier möchte der Körper ruhen. Selbst die Verdauung ist eine Aktivität, die Energie verbraucht. In der TCM werden Materie und Flüssigkeiten wie Organe und Blut als mehr Yin eingestuft, während die Funktionen wie zum Beispiel der Leberstoffwechsel als Yang betrachtet werden. Das bedeutet, mit einem regelmäßigen Abendessen um 19 oder auch 20 Uhr, das obendrein sehr reichhaltig ist, bürdet der Kunde sich selbst eine weitere Aktivität auf. Und das zu einer Tageszeit, in der die Waage zum Yin hin pendeln sollte. Noch später schaut er Fernsehen. Im Schlafzimmer. Actionfilme mit Mord und Totschlag.
Bemerken Sie eine Tendenz?
Richtig, an einem Ort der Ruhe und Erholung dreht der Mann aus unserem Beispiel das Yang auf. Zu einer Yin-Zeit.
Auch hier also ein Überschuss an Yang in Bezug zum Yin. In Worten der westlichen Wissenschaft könnte man sagen, er arbeitet gegen seinen chronobiologischen Rhythmus. Doch irgendwie fühlt sich das noch nicht so überzeugend an. Ja, der Mann im Haus verausgabt sich insgesamt mehr als die Dame. Aber reicht das schon, um zu erklären, warum er deutlich erschöpfter ist als sie? Es könnte ausreichen. Aus meiner Feng Shui-Perspektive heraus kann ich ihm die Empfehlung geben, das Schlafzimmer nach hinten raus zu legen, in das jetzige Wohnzimmer im ersten Stock. Er könnte seine abendlichen Gewohnheiten ändern: etwas früher zu Abend essen, nicht so schwer speisen, auch mal die Kohlenhydrate auslassen. Er könnte sich angewöhnen, in der Regel nach 20 Uhr kein Fernsehen mehr zu schauen, stattdessen Spazieren zu gehen, sich zu dehnen...etwas in der Art, damit er schon entspannt und bereit zur Erholung ist, wenn er ins Bett geht.
Ich könnte mittels der Technik der fliegenden Sterne (Xuan Kong Fei Xing) den Raum im Haus bestimmen, der für ihn (und sie) bis einschließlich 2040 die beste Schlafqualität hat.
Aber möchte er das? In aller Konsequenz ginge es für den Kunden hier um eine Verhaltensänderung. Ja freilich, ein Feng Shui-Detektiv von meinem Kaliber könnte ihm schon einen Rat geben, auf den er selbst nicht gekommen ist. Aber würde meine Ansprache genügen, um ihn zu einer Änderung zu motivieren? Ich bin nicht sehr überzeugend, müssen Sie wissen.
Meiner Erfahrung nach unterschätzen die meisten Menschen, wie sehr man sich manchmal selbst zu etwas zwingt. Oder etwas erzwingen möchte. Der Mann aus unserem Beispiel ist normal bis überdurchschnittlich intelligent. Aus meiner Sicht ist er erfolgreich im Beruf. Er könnte sich also auch ein Stück weit auf seinen Lorbeeren ausruhen. Er muss ja nicht seinen Bizeps trainieren, um befördert zu werden. Und seiner Einschätzung nach sägt niemand an seinem Bürostuhl, er sitzt also fest im Sattel. Angesprochen auf den Beruf erzählt er, dass er eigentlich zufrieden ist an seiner jetzigen Position. Aber es würde eine Beförderungsrunde im nächsten Jahr anstehen. Sein Abteilungsleiter geht in Rente, er selbst ist einer der ranghöchsten möglichen Nachfolger und - in Behörden nicht unwichtig - mit Abstand die längste Zeit dabei. Freut er sich darauf, die nächste Stufe zu erklimmen? Immerhin bekäme er dann noch einmal 600 EUR netto mehr im Monat. Man muss jetzt nicht wirklich ein Fernseh-Detective sein, um den Schmerz in seinem Gesicht zu lesen, als ich ihm die Frage nach der Beförderung stelle. Er scheint in einem inneren Konflikt zu stecken, denn was er sagt, passt nicht zu seinem körperlichen Gefühlsausdruck. Ja, das wäre eine ganz tolle Sache und darauf habe er auch schon viele Jahre hingearbeitet. Wo also drückt der Schuh? Weil er das selbst nicht recht in Worte fassen kann, schlage ich ihm einen Blick in sein "Baze" vor. Das Bazi Suanming ist die "Schicksalsberechnung nach den acht Zeichen", die der Sinologe Dr. Manfred Kubny ein "einzigartiges chronopsychologisches und chronobiologisches Diagnoseverfahren" nennt. ( Vorwort zu Görtz, Praxis der chinesischen Astrologie, 2008)
Ich selbst bin kein Doktor auf dem Gebiet, nutze das Baze aber als hübsch bunte Anregung, um mit dem Klienten tiefer ins Gespräch zu kommen. Wichtig für Sie, geneigter Leser, ist zu wissen, dass Baze zwar chinesische Astrologie genannt wird, es streng genommen aber um klimatische Einflüsse geht, keine astrologischen. Sei`s drum.
Beim Blick auf die entsprechende Tabelle (sh. unten), fällt mir auf, dass der Kunde eine starke Persönlichkeit haben könnte (Yin Feuer als starke Tagesdominante). Stark im Sinne von emotional, warm, mitfühlend, möchte aber auch sagen wo es lang geht. Vielleicht tendenziell auch mal aufbrausend. Ob er sich da wiederfinden könne. Hmm. Also manchmal würde ihm vorgeworfen werden, er sei eigentlich zu weich für den Job, aber letzten Endes geht es schon nach seinem Kopf, er wäre eigentlich schon von Anfang sehr schnell in die Schiene Führungskraft gekommen. Aha. Und wie würde er seinen Führungsstil beschreiben? Hmm. Er guckt schon, wie es den Leuten im Einzelnen geht, aber manchmal muss halt einer den Leuten "Feuer unterm Arsch machen", damit überhaupt irgendwas vorwärts geht. Das sei ihm schon unangenehm, manchmal, aber man sähe ja an Trump, der jetzt an der Spitze ist, das die Leute auch nicht anders behandelt werden wollen.
Hmm. Um einen etwas langatmigen Prozess für diesen ohnehin schon ins Romanhafte tendierenden Artikel abzukürzen: die energetische Zusammenstellung an Einflüssen im Baze des Mannes legt einen Überschuss an Yang und Feuer nahe. Ein sogenanntes Siegel könnte außerdem auf eine starke Identifikation mit den Werten der Eltern und Großeltern hinweisen. Vor allem ein Großvater könnte ihm vermittelt haben, man müsse viel Geld verdienen, viel leisten.
Ob da etwas bei ihm anklingt, frage ich. Leicht perplex, wieso ich ihn so etwas frage, überlegt er. Nur kurz. Der Vater seines Vaters war noch vor der Wende Direktor einer Fabrik. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde der Betrieb allerdings abgewickelt, und der ehemalige Direktor wurde Autoverkäufer. Dieser Großvater hätte durchaus ein paarmal gesagt, das man der Beste sein muss, um überhaupt eine Chance zu haben. Ich frage, ob er eine Verbindung zwischen dieser Einstellung und seiner heutigen Situation sehen würde. Seine Frau kichert. Er selbst sieht keinen Zusammenhang.
Ich frage, an beide gerichtet: wie würden sie ihren Beziehungsvertrag beschreiben? Was gibt der eine, was die andere? Was dürfte nicht wegfallen, damit die Beziehung weiterhin in diesem Haus stattfinden darf? (Eine fiese Frage, ich weiß). Dann wurde erst einmal etwas gegluckst und gedruckst. Für Sie, geneigter Leser, die Kurzfassung: er, der Mann, geht davon aus, dass er einen hohen Status mit nach hause bringen muss, damit seine Frau zu ihm aufschauen kann und ihn als Partner überhaupt in Betracht zieht. Autsch. Sie wiederum hätte durchaus gemerkt, dass im Laufe der Jahre die Ehe etwas ausgebrannt sei, aber das sei ja auch normal. Ihr sei eigentlich wichtiger, auch mal dezidiert Zeit mit ihm zu bekommen, in der er nur zuhört. Wer da auf Arbeit gerade die Hosen anhat, interessiere sie eigentlich weniger.
Wie ich den armen Mann da auf dem Sofa sehe, tut er mir etwas leid. Ich kann mir so gut vorstellen, dass ausgerechnet still sitzen und zuhören für ihn die heißere Hölle ist, als sich 7 Tage die Woche für einen Leistungskampf zu optimieren. Ich kenne seinen Schmerz. Gerade Männern wurde doch eine Gehirnwäsche verpasst, wie Alpha sie sein sollen.
Nun ist diese etwas ungewohnte Herausforderung aber auch kein Beinbruch. Schon chinesische Schamanen vor 2000 Jahren konnten diese Problematik in Ihren Gemeinschaften beobachten - und über (man mag es kaum glauben) die Beobachtung des Wetters, der Natur und der Menschen energetische Muster beobachten. Darauf baut auch die traditionelle Chinesische Medizin auf. Über diese Betrachtungsweise lassen sich Rückschlüsse ziehen, die uns, dem ach so rationalen Westler, erst einmal seltsam erscheinen. Long story short: der gute Mann könnte auf seine "Nierenenergie" acht geben. Denn seine charakterliche Veranlagung, seine Lebensweise und (taddaa) seine Wohnumgebung sind darauf ausgelegt, sein Wesen zu erschöpfen. In chinesisch energetischer Sicht verbrennt er viel Holz zu Feuer, die kühle Yin-Seite von Metall und Wasser kommt zu kurz - sie verdampft.
Das kann man erstmal sacken lassen.
Da habe ich also meine spitze, etwas neugierige Feng Shui-Detektiv-Nase tief in die Angelegenheiten des Kunden gesteckt. Sein Haus, seine Beziehung, seine Arbeit, sein Innenleben durchleuchtet. Und nun kommt die Konklusion, er möge auf seine Nierenenergie achten? Ist das nicht etwas dürftig? Mitnichten. (Außerdem verbitte ich mir solche vorlauten Fragen)
Was nun? Was kann er mit Feng Shui tun?
Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen meine eher hintergründige Arbeitsweise vor Augen führen und was alles darin steckt. Feng Shui ist ein sehr weites Feld, zu dem auch Elite-Universitäten wie Harvard und Stanford Forschung betreiben (Neuroarchitektur, Umweltpsychologie, Chronobiologie, Biophiles Design uvm.). Ich nehme mir vor, die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft in Bezug auf Raumpsychologie zu beschreiben. In einem anderen Artikel.
Denn, wenn Sie es tatsächlich bis hierhin zu Lesen geschafft haben, ist ihre persönliche Nierenenergie vermutlich stark. Dennoch möchte ich die Auflösung jetzt in "Feng Shui Sprache" geben, und nicht noch weiter ausholen.
Dieses sehr umfangreiche Spurensuchen "wie ein Detektiv" beim Kunden ist nämlich nötig. Es ist wichtig, weil selbst gebildete, erwachsene Menschen nicht immer wissen, was eigentlich ihr Problem ist. Es aufgrund menschlicher Wahrnehmungsfilter auch schlecht wissen können. Dinge mit sich selbst auszumachen funktioniert - nicht vollständig. Vielleicht ist es auch ein Problem unserer Zeit und Gesellschaft, dass der Einzelne mit jeder Menge Anforderungen und Ideen konfrontiert ist, was es heißt, ein guter Mensch zu sein. Sich jemandem mit einem Problem anzuvertrauen, ist für Viele eine unüberwindbare Hürde. In meiner persönlichen Erfahrung war Feng Shui auch ein Weg, den Drang zum Optimieren einmal nicht an mir selbst auszuleben, sondern - zu meiner Erleichterung - einfach mal auf die Umstände zu schauen.
Wie viele Menschen stecken fest, weil sie glauben, sie selbst sind das Problem?
So erging es auch dem Kunden in diesem Beispiel. Er war es so gewohnt, sich selbst und andere zu triezen, dass die Verzweiflung darüber, dass es einfach nicht gelingen wollte, ihn auf eine Idee brachte. Nämlich: unterstützen meine Räume mich eigentlich? Ist da irgendetwas, was mich fertig macht, das ich nicht sehen kann?
Meist gibt es eine Unmenge an Einflüssen, denen wir ausgesetzt sind: Gesellschaft, Arbeit, Familie, Räume, Straßen, Städte, Wetter, Medien, psychologische Muster - die Liste ist lang. Wenn ich das so sagen darf - der Segen für den Kunden war, dass er mich um Hilfe gebeten hat. Nicht, weil ich ein mystischer Meister oder hochspezialisierter Weiser wäre. Ganz einfach, weil er sich selbst damit eine Möglichkeit gegeben hat. Anstatt sich selbst zu bekämpfen und zu disziplinieren, konnte er fragen: was meinst Du, ist mein Problem? Kann ich daran etwas ändern, oder nicht? Damit befreite er sich selbst aus einem Teufelskreis, in dem er mit den immergleichen Mitteln erfolglos versuchte, sich selbst zu ändern.
Feng Shui Maßnahmen
So. Die Nierenenergie. Für unseren Freund bedeutete die Diagnose - lass es ruhiger angehen. Gib dem Yin mehr Raum in Deinem Leben. Lasse Dich auf den Rhythmus ein, den die Natur vorgibt. Hinterfrage Deine Gedanken. Versuche, Dich selbst zu durchdenken. Das Wasserelement, das es hier zu stärken galt, ist eine Bewegung. Wasser fließt nach unten, es sinkt. Im Meer werden viele Tropfen zu einem Großen Ganzen. Christlich gesprochen liegt hier auch das "Herr, Dein Wille geschehe". Weisheit, die Fähigkeit andere Perspektiven einzunehmen, liegt energetisch im Wasserelement. Meditieren und sanfte, fließende Bewegungen entsprechen dem Element ebenso.
Wie lassen sich also Maßnahmen ersinnen, die das Wasser-Element in seinem Leben stärken?
Ich bin ein großer Fan davon, dem Kunden eine Richtung zu zeigen. Die Details, die sie gerne umsetzen möchten, finden die Leute meist selbst. Denn hier liegt auch eine große Stärke vom Feng Shui. Wenn einmal das Problem erkannt und auf energetische Weise beschrieben wurde. Dann stehen dem Menschen eine ganze Palette an Lösungen zur Verfügung. Er sucht sich das für ihn Beste aus.
Man kann im Haus über die Räume körperliche Zustände aber auch neue Gewohnheiten verankern. In diesem Fall habe ich empfohlen, das Schlafzimmer nach hinten ins Obergeschoss zu verlegen. Eine Wand dunkel zu streichen. Den Fernseher aus dem Schlafzimmer zu entfernen. Das Bett in Richtung Nordosten aufzustellen, da es - für beide - eine günstige Richtung darstellte. Um seine leicht krampfige Routine zu ändern, war es nötig, dass er zuerst die Momente bemerkt, in denen er in für ihn schlechte gute Gewohnheiten verfällt. Bei ihm war es meist, wenn er im Bad stand, Zähne putzte, sich rasierte und seinen Körper im Spiegel betrachtete. Daher habe ich ihm einen A5-Zettel empfohlen, den er an den Badspiegel kleben könnte. Darauf stand: " Ich muss... / Ist das wahr? " Auf diese Weise konnte ihm bewusst werden, was er glaubt, tun zu müssen. Und wenn so ein "Glaubensanfall" eintritt, würde er ermutigt, das zu hinterfragen.
So kann ihm scheibchenweise bewusst werden, wie er sich selbst behandelt und sich dann fragen, ob er das weiterhin tun möchte. Big deal! Ich glaube, man unterschätzt die Macht des Unbewussten - weil sie einem meist nicht bewusst ist. Auch hier wieder: hätte er selbst darauf kommen können? Ich glaube nicht.
Dann habe ich noch empfohlen, an 5 Tagen in der Woche nach 20 Uhr kein Fernsehen zu schauen oder vor einem Bildschirm zu hängen. Das hilft Körper und Geist, runterzufahren und die Regeneration zu optimieren. Er könnte sich 10 Minuten nehmen, um einfach nur zu sitzen. Böse Zungen sprechen von Meditation. Da die aber keinen guten Ruf hat und schon gar nicht bei Hitzköpfen, habe ich "einfach mal 10 Minuten da sitzen" gesagt. In der Zeit kann er sein Innenleben kennenlernen, sich selbst besser verstehen, und die innere Stimme hören, die ihm sagt, was er eigentlich will - Wasser eben.
Wieviel und was er davon umsetzen möchte, bleibt natürlich ihm überlassen. Ein weiterer positiver Aspekt von Feng Shui Maßnahmen: sie helfen vorbeugen. Wenn er so weitermacht, wie bisher, würde er sich langfristig krank machen. Gesündere Gewohnheiten und nährende Einflüsse zuzulassen, verhindert jahrelange Belastung und beugt somit Krankheit und Leiden vor.